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Info-Mail Schach Nr. 796


DBSB-Regionalturnier West (NRW)

(von Detlef Kaiser, Euskirchen)

Am Samstag, den 9. Februar 2008, trudelten langsam über den Tag verteilt 13
blinde Schachspieler und deren Begleitungen im Aurazentrum Bad Meinberg ein.
Sie begrüßten sich überschwänglich, da viele sich seit längerem nicht mehr
gesehen hatten. Und schon am Abend gab es das erste informelle Treffen, in
dem der Turnierablauf und die erste Paarung zu erfahren waren.

So erfuhr man, dass das Turnier im Schweizer System in 7 Runden gespielt
wurde; dabei mussten die Topspieler gegen die zweite Hälfte der gesetzten
Liste spielen. Es war daher zu erwarten, das dies zu Gunsten der stärkeren
Spieler ausging.

Am Sonntagmorgen war es eiskalt und strahlend blauer Himmel, als sich die
Schachspieler nach dem Frühstück ein wenig die Beine im nahegelegenen Park
und Waldgebiet vertraten. Voller Erwartung traf man sich dann nach dem
Mittagessen um 13.30 Uhr zum ersten Spiel. Unser Topspieler Kurt Schorn
musste jedoch auf seinen Gegner Norbert Raestrup noch warten, der erst am
Sonntagabend anreisen wollte. Er war so kameradschaftlich, auf ihn zu
warten, wollte er doch keinen Punkt kampflos einheimsen.

Eigentlich stand das Ergebnis ja fest, doch Willi Beckmann musste sich gegen
Jürgen Mankiewicz heftig zur Wehr setzen und konnte das Spiel nur gewinnen,
weil er seinen Gegner in die Zeitnot trieb. Hätte Jürgen seinerseits
gewusst, dass er 5 Minuten vor Blättchenfall Protest gegen die Spielweise
einlegen konnte, wer weiß, wie dann der Turnierleiter die Partie entschieden
hätte. Dadurch entstand am Abend in der Cafeteria unter den Schachspielern
eine heftige Diskusiion über die Schachregeln.

Am Montag wurde es ernster. Jetzt kämpften die Spieler verbissener. Doch
erste Überraschung war, dass Ewald Heck gegen Kurt Schorn gewann und Detlef
Kaiser gegen Günter Thieme. In beiden Fällen hatten die schwächeren Spieler
gewonnen. Auch unsere neue Mitspielerin Ursula Selig, die erst seit
Jahresbeginn im Essener Verein mitspielt, hatte ein Remis geholt. Das war
schon beachtlich. Doch nach 2 Spieltagen war noch alles offen.

Am Dienstag wurde es noch kälter bei wunderschönem Sonnenschein. Viele
Spieler und Begleitungen nutzten das Schwimmbad im Haus und gingen noch vor
dem Frühstück schwimmen. Nach ausgiebigem Plaudern beim Essen ging es zu Fuß
durch das Silvatikum und anschließend in die Trinkhalle im Kurpark. Andere
wieder vertrieben sich die Zeit im Haus. Rechtzeitig zum Mittagessen waren
alle wieder da und pünktlich um 13.30 Uhr fing die 3. Runde an. Nun
kristallisierte sich doch allmählich ein Führungsquartett heraus. Es waren
Ewald, Wolfgang, Willi und Detlef. Noch am selben Abend wurde vom
Bezirksleiter ein Schnellschachturnier angeboten, an dem jedoch nicht alle
teil nahmen. Dieses Turnier gewann Ewald Heck.

Das Wetter blieb so schön wie es war. Nur dass der Boden inzwischen bei -6
gefroren war. Aber dies störte die Schachspieler nicht. Sie gingen
unverdrossen spazieren, tankten Luft, tauschten sich fröhlich und lautstark
aus und freuten sich schon auf die nächste Runde. Nach diesem Kampf hatte
sich das Quartett in ein Trio reduziert, doch lagen sie alle dicht
beieinander. Abends traf man sich entweder im Saunaraum oder in der
Cafeteria. Dort wurde dann kräftig gewürfelt und gebechert.

Nun wurde es allmählich spannend. Die 5. Runde war am 14.02. angesagt und es
blieb bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Willi, Detlef und Ewald. Doch
der entscheidende Durchbruch war nicht erfolgt. Jeder war peinlichst darauf
bedacht, kein Pünktchen abzugeben. Somit blieb die Entscheidung noch aus. An
diesem Abend gingen einige Spieler, von dem Haus aus organisiert, in ein
Jazzkonzert.

Erst am Freitag kam ein Durchbruch. Nach dieser 6. Runde hatten Willi und
Detlef - Ewald hatte einen halben Punkt verloren - die Nase vorn. Detlef
hatte unerwartet gegen Kurt gewonnen. Doch auch unerwartet hatte sich
Norbert Raestrup hinter die beiden geschoben. So war nun der letzte Kampf
der alles entscheidende. Man rechnete schon damit, dass Willi gewann und
somit Erster und Detlef Zweiter wurde. Doch selbst wenn Willi ein Remis
spielte, so wurde er Zweiter und Detlef Erster. Es gab viele Spekulationen,
doch nicht die, wie es dann kam.

Die Spannung stieg am Samstagmorgen nach dem Frühstück auf den Höhepunkt. So
spielte Detlef Kaiser gegen Michael Karczewski und Norbert Raestrup gegen
Willi Beckmann. Dies waren die Spitzenspiele, um die sich alles drehte.
Norbert hatte sich von mir einen Rat vor dem Kampf geholt, was er gegen
Willi spielen sollte. Ich riet ihm, nicht in die Französische Eröffnung zu
gehen, da Willi sich da bestens auskannte. Diesen Rat befolgend, begann er
dann auch mit d4. Und die Überraschung war perfekt. Norbert schlug Willi und
sicherte sich dadurch den 2. Platz. Er räumte mir damit meinen schärfsten
Rivalen aus dem Weg. Jetzt hatte ich zum ersten Mal bei der
Bezirkseinzelmeisterschaft mitgespielt und gleich den Titel geholt. Wer
hätte das gedacht! Dieses Ergebnis hätte so keiner erwartet, auch ich nicht.
Ich bin angetreten mit dem Ziel, unter die ersten 4 zu kommen. Doch auch so
bin ich sehr zufrieden.

Am Abend trafen sich die Schachspieler zur Siegerehrung und nahmen ihre
Preisgelder in Empfang. Mir wurde von allen seiten gratuliert. Doch leider
hatte das Turnier noch einen kleinen Wermutstropfen. Ursula, die immerhin
beachtliche 1,5 Punkte holte, war während des Turniers erkrankt und musste
auch den Arzt aufsuchen. Trotzdem spielte sie unermüdlich am Brett und ihr
Erfolg gab ihr Recht. Auch Michael und ich kränkelten am Ende ein wenig.
Zufrieden über die gelungene Woche fuhren viele schon nach dem Frühstück am
Sonntagmorgen nach Hause. Wie beim Eintreffen, so wurde sich auch beim
Verabschieden mit lautstarken und fröhlichen Worten alles Gute gewünscht.

  1. Kaiser,Detlef.....  5,5 26,0 181,5 ..==1=1.1....1
  2. Raestrup,Norbert..  5,0 27,0 175,5 ..1.0==111....
  3. Beckmann,Wilhelm..  4,5 28,0 178,5 =0.=.=1.1..1..
  4. Selig,Wolfgang....  4,5 27,5 175,5 =.=.==.1.1=...
  5. Schorn,Kurt.......  4,0 28,5 175,5 01.=.0=1...1..
  6. Heck,Ewald........  4,0 28,0 181,0 ====1....0..1.
  7. Thieme,Günter.....  4,0 24,5 175,0 0=0.=.....111.
  8. Böttcher,Bertold..  4,0 20,5 170,0 .0.00.....1111
  9. Karczewski,Michael  3,5 23,5 168,5 000......11.1=
 10. Falk,Peter........  3,0 22,5 171,0 .0.0.1..0.1.01
 11. Höhmann,Werner....  2,5 22,0 162,0 ...=..0000.1.1
 12. Mankiewicz,Jürgen.  1,5 22,0 166,5 ..0.0.00..0.=1
 13. Brell,Matthias....  1,5 21,5 162,5 .....00001.=.0
 14. Selig,Ursula......  1,5 21,5 158,0 0......0=0001.

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